Ein Jahr in Australien
Mit ihrem Freund Sven Brand, einem Handwerksmeister aus Esens, zieht es Judith Scheele (23) aus Dunum für ein Jahr nach Australien. Sie studiert,
und er will als Maler ein wenig Geld für den Lebensunterhalt verdienen. Natürlich werden sich die beiden auch das riesige Land ein wenig näher ansehen
und darüber von Zeit zu Zeit in den Ostfriesischen Nachrichten erzählen.
Dunum/Newcastle. Wer in Newcastle auf öffentliche Verkehrmittel angewiesen ist, braucht viel Zeit und Geduld. Die zirka 600 000 Einwohner Stadt bietet zwar etliche Buslinien und zwei Zugstrecken, doch sind Anbindungen verbesserungsbedürftig. Da Sven für seine Arbeit mobil sein muss, entschied er sich schnell zum Kauf eines Autos. Während die Busse und Züge an Werktagen reativ regelmäßig fahren, kommt man am Wochenende kaum von einem Ort zum anderen. Viele Buslinien fahren Samstags nur drei Mal und Sonntags gar nicht. Dies bedeutet, dass man Umwege und lange Wartezeiten in Kauf nehmen muss. Für nicht Ortskundige ist es besonders schwierig, sich im Chaos der Linen zurecht zu finden. Fahrpläne verraten einem nur die Endhaltestellen der Busse und sind oft auch nur an größeren Haltestellen zu finden. Kennt man sich also nicht gut in der Stadt aus, hilft einem diese Information nicht weiter. Falls man keinen aktuellen Fahrplan zur Hand hat, bleibt einem nichts anderes übrig, als jeden haltenden Busfahrer zu fragen ob dieser zum gewünschten Ziel fährt. Hat man die vermeintlich richtige Buslinie gefunden, bedeutet dies nicht die schnelle Ankunft am Ziel. So haben Sven und ich uns des öfteren auf 60-minütigen "Stadtrundfahrten" befunden, bevor wir am Ziel waren. Die ersten Busfahrten erwiesen sich somit für uns immer wieder als kleines Abenteuer. Somit begaben wir uns schnell auf die Suche nach einem passenden Auto.
Die Entscheidung fiel schnell: Angesichts des chaotischen Busstreckennetzes, das zudem am Wochenende kaum Verbindungen anbietet, kaufte Sven ein Auto. Foto: privat
Während der Suche erfuhren wir nach und nach wie das "TÜV"- und Versicherungssystem hier funktioniert. Um ein Auto fahren zu dürfen, muss man es entweder für drei oder zwölf Monate registrieren lassen. Die sogenannte Registrationsgebühr ist vom Alter des Wagens abhängig und muss vom Besitzer gezahlt werden. Die Registration beinhaltet automatisch die vom Gesetz vorgeschriebene Minimalversicherung. Diese Versicherung kommt aber nur für die Arztkosten auf, wenn Personen im Falle eines Unfalls zu Schaden kommen. Wie und ob man Auto zusätzlich versichern möchte, ist jedem selbst überlassen. Durch die Hilfe und Beziehungen unserer Freunde war unsere Suche schnell erfolgreich. Nach einigen Probefahrten ist Sven nun stolzer Besitzer eines Kleinwagens.