Erste Grabungen und Abschied vom Land
Mit einer großen Kralle holen die Wissenschaftler Gestein vom Meeresgrund / Hoffen auf einen "Bite"
Position der "Meteor":
27° 19,80 N
17° 47,73 W
Aurich/ El Hierro. Nachdem wir am Freitag die "Meteor" das erste Mal betreten hatten, hieß es schon bald Abschiednehmen vom Festland. Am Samstagmorgen nach dem Frühstück wurden die letzten Vorbereitungen für das anschließende Kommando "Leinen los" getroffen. Es gab eine Sicherheitseinweisung, die besonders für diejenigen wichtig ist, welche das erste Mal auf der "Meteor" mitfahren. So lernten wir die Wege zu den Rettungsbooten und das richtige Verhalten im Notfall kennen. Nachdem dies geschafft war, wurde das Schiff von der Besatzung nach möglichen blinden Passagieren durchsucht. Danach versammelte sich die wissenschaftliche Crew auf dem Peildeck, um die Mannschaft nicht beim Ablegemanöver zu behindern. Auch diejenigen, die schon mehrmals an Bord waren, ließen es sich nicht nehmen ein weiteres Mal anzuschauen, wie das fast 100 Meter lange Schiff den Hafen verlässt.
Unser Kurs ging Richtung Henry Seamount südlich von El Hierro, einer Nachbarinsel von Gran Canaria, wo ein Team von Geologen Gesteinsproben nehmen will. In der ersten Nacht auf See machten wir die Erfahrung, dass das sanfte Schaukeln der "Meteor" und das leise Rauschen der Wellen beim Einschlafen helfen. Doch viel Zeit zum Ausruhen hatten wir nicht. Bereits in der Nacht begannen die ersten geologischen Forschungsarbeiten. Das Meer ist an dieser Stelle über 3000 Meter tief. Um an Gesteinsproben zu kommen, muss eine Art Baggerkralle bis auf den Meeresboden abgelassen werden. Dafür werden 4000 Meter Kabel abgerollt. Am Grund angelangt wird die so genannte Dredge über den Meeresboden gezogen und sammelt so Gestein. Der gesamte Vorgang dauert bis zu vier Stunden. Die Proben vom Meeresboden werden noch an Bord von den Wissenschaftlern begutachtet und sortiert.
Bei den Dredgearbeiten kommt jedes Mal Hoffnung auf, wenn ein "Bite" zu bemerken ist. Ein "Bite" kommt zu Stande, wenn die über den Boden gezogene Kralle an einem größeren Gesteinsbrocken hängen bleibt und diesen abreißt. Dieser Stein fällt dann in das Netz der Dredge. Doch das Bergen solcher Gesteinsproben ist nicht leicht. Oft befindet sich nicht viel in dem Netz der großen Kralle. Mit etwas Glück können aber Brocken von mehreren hundert Kilo an Bord gezogen werden. Diese Fänge sind jedoch selten. Am Sonntagnachmittag konnten einige Steine, die wahrscheinlich noch aus der Kreidezeit stammen, vom Meeresgrund geholt werden. Besonders erstaunlich war das Bergen einer abgestorbenen Muschel aus über 3000 Metern Tiefe. Die meisten Proben werden von den Geologen verpackt und dann mit nach El Hierro genommen von wo aus die drei Wissenschaftler Richtung Heimat reisen werden. Dort werden sie Altersdatierungen und geochemische Untersuchungen vornehmen. Wissenschaft ist nicht immer einfach. Und schon auf El Hierro erwartete die drei das nächste Hindernis. Am Montag ist auf der Insel Feiertag und sie werden nur mit einer Nottelefonnummer ihres Agenten in der Tasche versuchen von dem Strand, an dem sie ausgesetzt werden, zu Fuß zu ihrer Unterkunft zu kommen. Für den Rest der Mannschaft und damit auch für uns wird El Hierro das letzte Stückchen Land sein, das wir für die nächsten Tage sehen werden. Leider auch das nur aus der Ferne, da die "Meteor" dann Kurs in Richtung Karibisches Meer nehmen wird, wo unser Teil der Forschung beginnt.
Zwei Schüler auf Forschungsfahrt
Gesa Vöhrs und Jann Grahlmann verbringen aufregende Sommerferien. Im Rahmen der Auricher Wissenschaftstage begleiten die beiden Schüler sechs Wochen lang eine Expedition auf dem deutschen Forschungsschiff "Meteor"
Ein 30 - köpfiges Forscherteam will in der Karibik Erkenntnisse über den Golfstrom gewinnen. Gesa und Jann berichten regelmäßig und exklusiv für die "Ostfriesischen Nachrichten" von Ihren Erlebnissen an Bord.