Forschung mit dem Gummiboot
Letzte Verankerung wurde an Bord geholt / Schlafrhythmus wird an die Arbeit angepasst
Position der "Meteor":
11° 50,49 N
60° 35,05 W
Aurich El / Hierro. Wie in den letzten Tagen stand auch gestern frühes Aufstehen auf dem Arbeitsplan, um die dritte und letzte Verankerung an Bord zu holen. Bereits um vier Uhr morgens begannen die ersten Vorbereitungen. Dieses Mal galt es auch, ein so genanntes "PIES" an die Wasseroberfläche zu holen. Ein PIES ist ein umgekehrtes Echolot, das auf einem Dreibein am Meeresboden steht.
Jede halbe Stunde sendet es ein akustisches Signal nach oben, um durch das Echo die Höhe der Wassersäule zu messen. Gleichzeitig misst es den Druck am Boden. Hat man zwei Geräte, kann man durch diese Informationen den Wassertransport zwischen den Instrumenten bestimmen. Das zweite Gerät liegt etwa 300 km weiter nördlich vor St. Lucia. Die beiden PIES messen somit den Transport in die Karibik zwischen Tobago und St. Lucia, und dieses Wasser stammt größtenteils aus dem Südatlantik. Kurz nachdem das Hydrophon das Signal zum Auslösen gegeben hat, kam am Bordgerät die Bestätigung an, dass das PIES aufschwimmt.
Jann, Michael und zwei Matrosen machten sich bereit, das Instrument mit dem Schlauchboot einzuholen. Schon vom Schiff aus sah man das Blitzlicht, welches die Suche erleichtern sollte. Aus dem Grund fand die Bergung nachts statt. Bei Seegang kann man die kleine weiße Kugel nur schwer in den Schaumkronen der Wellen entdecken. Bei Dunkelheit hilft das regelmäßige Blitzen beim Erreichen des PIES. Die Schlauchbootcrew erreichte ohne Probleme ihr Ziel. Sie genossen den Anblick der "Meteor", die in der ruhigen See dümpelte.
Michael und Jann machen die frisch geborgene PIES klar zur Datenentnahme. Foto: Privat
Auch von Bord des Forschungsschiffes bot sich ein einmaliges Bild. Im Osten ging die Sonne auf, um einen weiteren Tag karibische Hitze über dem Meer zu bringen. Von der Steuerbordseite des Schiffes konnte man sich über das Panorama der Ostseite Tobagos erfreuen. Nachdem die 35 kg schwere PIES sicher an Deck lag, atmeten alle auf. Jetzt stand nur noch eine Verankerung aus, die ebenfalls kurze Zeit später an Deck lag. Alle, die mitgeholfen hatten, waren mit Seewasser und Algen gesprenkelt und waren froh, als nach dem Reinigen der Schwimmkörper auch sie duschen konnten. Für einige ging die Arbeit gleich weiter. Weitere CTD Stationen wurden gefahren, was bedeutet, dass die Rosette ins Wasser gelassen wurde. So wird auch der Alltag in den folgenden Tagen aussehen. Auch unsere Freizeit sieht an den meisten Tagen ähnlich aus. Nach der Morgenschicht legt man sich gerne noch mal in die Koje, um den verpassten Schlaf nachzuholen. Nach dem Mittagessen wird gelesen, in der Sonne gedöst oder es werden E-Mails geschrieben.
Dass wir unterschiedliche Arbeitszeiten haben, erschwert uns das gemeinsame Schreiben. Wenn Jann sich nach dem Mittagessen ausgeruht an die Arbeit machen möchte, ist Gesa noch erschöpft von ihrer Schicht. So muss man Kompromisse finden und sich die Arbeit teilen. Um uns gegenseitig auf die Fotos zu bekommen, verschiebt man auch den Mittagsschlaf. Doch ist unser Schlafrhythmus bereits angepasst und wir haben kein Problem damit, wenn wir um 20 Uhr oder Mitternacht ins Bett fallen sofort einzuschlafen. Schließlich erwartet uns am nächsten Morgen immer ein spannender Tag.
Zwei Schüler auf Forschungsfahrt
Gesa Vöhrs und Jann Grahlmann verbringen aufregende Sommerferien. Im Rahmen der Auricher Wissenschaftstage begleiten die beiden Schüler sechs Wochen lang eine Expedition auf dem deutschen Forschungsschiff "Meteor"
Ein 30 - köpfiges Forscherteam will in der Karibik Erkenntnisse über den Golfstrom gewinnen. Gesa und Jann berichten regelmäßig und exklusiv für die "Ostfriesischen Nachrichten" von Ihren Erlebnissen an Bord.