Wittmund: Wittmunds Polizeichef wollte sich umbringen Franz Andratzke beging Suizid-Versuch mit seiner Frau / Motiv im privaten Bereich
Polizeipräsident Hans-Jürgen Thurau und sein Stellvertreter Dieter Buskohl (Bild rechts) informierten am Mittwoch die leitenden Beamten der Inspektion. Foto: ON-Archiv
kdh/mh Wittmund. Betroffen und bestürzt hat die Polizeidirektion Oldenburg auf einen Bericht der „Bild“-Zeitung reagiert, nach dem der Leiter der Polizeiinspektion Wilhelmshaven/Friesland/Wittmund, Franz Andratzke, „betrunken am Steuer“ erwischt wurde und „nachts mit einem Streifenwagen in einen Straßengraben“ gefahren ist.
Das Dementi kam am Mittwoch: Andratzke sei nicht betrunken gewesen, dieser Vorwurf entbehre jeder Grundlage, sagte dazu Polizeipräsident Hans-Jürgen Thurau. Man werde rechtliche Schritte gegen „Bild“ prüfen. Das Blatt habe in „wesentlichen Passagen falsch berichtet“, so Thurau, der sich daher am Mittwoch gezwungen sah, die Umstände zu erläutern: „Andratzke hatte am Freitagnachmittag, 22. Dezember 2006, einen Verkehrsunfall mit einem Polizeidienstfahrzeug. Der Unglücksfahrer wurde leicht verletzt, der Streifenwagen total beschädigt. Zunächst sah alles danach aus, dass er bei der Verfolgung eines Verkehrsrowdys verunglückt ist.“ Erst vorgestern am späten Nachmittag habe der Polizei-Chef erklärt, „dass er sich mit dem Unfall das Leben nehmen wollte“. Das Motiv liege im privaten Bereich und habe keinen dienstlichen Bezug. Der von „Bild“ erhobene Vorwurf, Andratzke sei betrunken gewesen, entbehre jeglicher Grundlage. Es hätten nach dem Unfall keinerlei Anhaltspunkte dafür vorgelegen und so habe man Andratzke nicht pusten lassen und auch keine Blutprobe genommen. Am Abend des gleichen Tages habe Franz Andratzke gemeinsam mit seiner Ehefrau einen weiteren Suizidversuch unternommen.
„Glücklicherweise“, so Thurau am Mittwoch, „haben beide den Versuch aus eigenem Entschluss rechtzeitig abgebrochen und sofort den Rettungsdienst benachrichtigt“. Das Ehepaar Andratzke befinde sich seitdem in stationärer ärztlicher Behandlung. Lebensgefahr bestehe bei dem Ehepaar aber nicht. Die Staatsanwaltschaft Oldenburg teilte auf Nachfrage mit: „Wir haben Kenntnis von den Vorgängen. Ob wir Ermittlungen aufnehmen, muss sich noch zeigen.“
Ermittelnde Behörde ist die Polizeiinspektion Cloppenburg. In der Region machten Gerüchte um den Suizidversuch und die merkwürdigen Umstände des von der Polizei gemeldeten Streifenwagen Unfalls schon seit Weihnachten die Runde.
Von der Polizei gab es bis am Mittwoch Mittag dazu keine offizielle Erklärung. Man könne sich im Übrigen nicht vorstellen, dass, wie „Bild“ schreibt, „ein Kollege“ die Zeitung informiert hat. Außerdem habe man keine konkreten Anhaltspunkte für ein strafrechtliches Vergehen.
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Ostfriesische Nachrichten Online-Ausgabe vom 10.01.2007; 22:00:00 Uhr