Handball: OHV meldet für den Profi-Sport Insolvenz an Finanzieller Kraftakt der vergangenen Jahre nicht erfolgreich / Es fehlen 100 000 Euro
In seiner Funktion als Geschäftsführer der Trägergesellschaft für den Zweitliga-Handball stellte Wolfgang Ladwig gestern Insolvenzantrag. Foto: Wolfenberg
sm Aurich. Die Trägergesellschaft des Handball-Zweitligisten OHV Aurich kann ihren Zahlungsverpflichtungen nicht mehr nachkommen. Wolfgang Ladwig als Geschäftsführer der Sportmarketing Aurich (SMA) GmbH & Co KG hat gestern beim Amtsgericht Aurich Insolvenzantrag gestellt.
In der Saison 2009/10 muss der OHV, so steht es in den Ausschreibungen, vermutlich auf Verbandsebene sportlich neu anfangen. In der Oberliga Nordsee.
„Wir haben geschaut, ob wir diese Saison vor dem finanziellen Hintergrund noch zu Ende bringen können. Es war völlig aussichtslos“, sagte der stellvertretende OHV-Vorsitzende Ulrich Mittelstädt. Dabei gehören die Auricher zu den Mannschaften mit dem niedrigsten Etat in der 2. Liga. Den hatten sie für diese Saison von bisher rund 300 000 auf 200 000 Euro reduziert, um sich finanziell zu konsolidieren.
Die Krise begann, als der OHV am 24. November 2006 ins Visier der Steuerfahnder geriet. Die Nachzahlungen, die daraus resultierten, plus die Tatsache, dass damals mit Frank Carstens ein hauptamtlicher Trainer eingesetzt war und zwei Spieler verpflichtet worden waren, deren Gehälter den Etat überschritten, hätten den Rahmen gesprengt, der anfangs gesteckt war, Leistungshandball zu etablieren, so der stellvertretende OHV-Vorsitzende Ulrich Mittelstädt. „Allein diese letzten Maßnahmen hatten pro Jahr ein Volumen von rund 200 000 Euro, die auch durch neue Sponsorenleistungen nicht mehr zu decken waren.“
Letztlich scheiterte der Kraftakt, finanziell wieder auf gesunde Füße zu kommen, jetzt an 100 000 Euro. „Bitter, nachdem der größte Teil der Schulden bereits abgebaut ist“, sagte Mittelstädt.
Damals, in der Krise, hatte sich ein neuer Vorstand zusammen mit einem Kreis von Sponsoren entschlossen, Handball in der 2. Liga weiter möglich zu machen. Neue Kräfte arbeiteten mit. Ein enger Kreis von Sponsoren war bereit, sich über das bisherige Engagement hinaus einzubringen. Laufende Spielerverträge aber mussten eingehalten werden. Ein Großteil der Spieler fuhr aber den Sparkurs mit und verzichtete auf einen Teil der Gehaltszahlungen.
„Die Wirtschaftskrise vermindert zusätzlich die Bereitschaft für einen verstärkten Einsatz im Sportsponsoring“, kommt für Mittelstädt jetzt ein weltweites Problem dazu. Das dazu führte, dass der bescheidene Etat für die Saison 2008/09 nicht eingehalten werden kann. Die Gelder von Sponsoren fließen nicht in der kalkulierten Höhe.
Vorausgesetzt, der Insolvenzverwalter stimmt zu, spielt die Zweitligamannschaft die Saison zu Ende. Vier Spieltage stehen noch aus. Die Zweitligaspieler, denen zuletzt das Gehalt für den Monat Februar gezahlt worden ist, wurden gestern Abend über die Situation informiert.
Ostfriesische Nachrichten Online-Ausgabe vom 28.04.2009; 22:00:00 Uhr