Aurich: Windhorsts Kunstkäufe erhitzten die Gemüter Aurichs Politiker entschieden: Er muss bei geplanten Käufen ab sofort vorher nachfragen
Die nostalgische Sitzgruppe aus den Jahren 1860/70, die alte Bürgermeister-Wanduhr, ein Ölgemälde und der antike Prunkschrank haben ihren festen Platz im Foyer der Büros der Verwaltungsspitze im Auricher Rathaus. Windhorst hatte die Möbelstücke bei ostfriesischen Antikhändlern unter dem Aspekt „Kunst im Rathaus“ gekauft. Dafür steht ihm ein jährlicher Etat von 20000 Euro zur Verfügung.
rob Aurich. Ohne vorherige Zustimmung des Verwaltungsausschusses darf Aurichs Bürgermeister Heinz-Werner Windhorst künftig keine Kunstgegenständemehr für das Rathaus kaufen.
Dem Bürgermeister steht dafür ein jährlicher Etat von 20000 Euro zur Verfügung. Das entschied Ende April gestern der Finanzausschuss auf Antrag von CDU-Ratsherr Thomas Janßen. Der wollte die Haushaltsstelle sogar mit einem Sperrvermerk versehen wissen. Nach vehementem Einspruch von Windhorst zog Janßen diesen Antrag jedoch wieder zurück. Bei den Kunstgeschäften des Bürgermeisters dürfe kein „Geschmäckle“ entstehen, so Janßen. Es handele sich um Steuergelder der Bürger. Diese und die Politik hätten ein Anrecht zu erfahren, wofür das Geld im Einzelnen verwendet werde. Hans-Gerd Meyerholz (CDU) erinnerte, dass der Bürgermeister bereits 2007 seinen Etat um 50 Prozent auf 30000 Euro überschritten habe. Meyerholz forderte vom Bürgermeister mehr Information und Transparenz. Thomas Janßen wies darauf hin, dass ihm bereits vor Wochen der Leiter Innerer Dienst, Wilhelm Aden, verbindlich eine detaillierte Inventarliste der Kunstgegenstände im Rathaus zugesagt habe. „Diese habe ich bis heute nicht erhalten“, kritisierte Janßen. Inzwischen soll die Liste aber vorliegen.
Bezahlt hat Aurichs Bürgermeister Heinz- Werner Windhorst aus seinem Kunstetat auch einen Prunkschrank, der gemeinsam mit einer nostalgischen Sitzgarnitur einen repräsentativen
Platz im Vorraum des Bürgermeisterbüros im Rathaus hat. Auf Nachfrage von Hendrik Siebolds (Linke) sagte Windhorst im Finanzausschuss, dafür 8000 Euro ausgegeben zu haben. Laut einem zertifizierten Wertgutachten bringe der Schrank bei einem Wiederverkauf 27000 Euro ein. Er würde der Stadt somit einen Gewinn von 20000 Euro erwirtschaften. Die Garnitur aus den Jahren 1860/70 werde ebenfalls aus dem Kunstetat bezahlt. „Die Anschaffung solcher Gegenstände hat etwas mit Atmosphäre und Stil zu tun“, argumentierte Bürgermeister Windhorst. Laut Beschluss des Finanzausschusses muss er künftig alle Kunstgeschäfte vorher vom Verwaltungsausschuss, dem zweithöchsten politischen Gremium nach dem Rat, absegnen lassen (siehe Bericht auf Seite 1). CDU-Ratsherr Thomas Janßen hatte sogar gefordert, besagte Haushaltsstelle mit einem Sperrvermerk zu versehen. Nach vehementem Einspruch des Bürgermeisters zog er diesen Antrag jedoch wieder zurück. „Ein Sperrvermerk würde Hürden aufbauen“, meinte Windhorst. So etwas spreche sich schnell herum und könnte Kunstinteressierte abschrecken. „Das zarte Pflänzchen Kunst im Rathaus fängt gerade an zu gedeihen; das dürfen wir jetzt nicht gefährden“, so Windhorst. Durch dieses Projekt sei die Stadt auch überregional als Kulturträger bekannt geworden. Es komme nicht von ungefähr, dass Aurich im nächsten Jahr Ausrichter der Landeskunstausstellung sei. Das sei bislang nur Städten wie Hannover, Hildesheim oder Oldenburg vorbehalten gewesen. „Jetzt spielen wir in dieser Liga mit“, betonte Windhorst.
Ostfriesische Nachrichten Online-Ausgabe vom 08.05.2009; 22:00:00 Uhr