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Lokales:   Die Meldung in voller Länge

Moordorf. Ein Geldspielautomat für 60 Einwohner
„Entertainment-Center“: Moordorf hätte 104 Geldspielautomaten

Moordorf. Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB), Ortsverband (OV) Südbrookmerland, protestiert gegen ein „Entertainment-Center“ in Moordorf. Das teilte der OV-Vorstand mit.

„Wir fordern den Rat und die Verwaltung der Gemeinde Südbrookmerland auf, die Planungen für diese Glücksspieleinrichtung abzulehnen“, heißt es in der Stellungnahme. Hinter dem „Entertainment-Center“ verberge sich nichts anderes als vier weitere Spielhallen mit 48 zusätzlichen Geldspielautomaten in Moordorf. „Das ist uns zu viel“, schreibt der OV. In Moordorf gibt es demnach bereits jetzt 56 Geldspielgeräte (36 in drei Spielhallen, 20 in Gaststätten). „Kämen jetzt noch 48 Geldspielgeräte hinzu, stünden in Moordorf 104 davon“, teilte der DGB Südbrookmerland mit. Gerechnet auf 6000 Einwohner käme in Moordorf ein Geldspielautomat auf 60 Einwohner. In Aurich gab es nach Informationen der Gewerkschaftler dagegen Ende 2008 bei 40 000 Einwohnern 126 Geldspielgeräte (94 in Spielhallen, 32 in Gaststätten). Das sei ein Geldspielautomat je 322 Einwohner. „Bei Realisierung der vier Spielhallen in Moordorf hätte Moordorf fünfmal so viele Geldspielgeräte pro Einwohner wie das Mittelzentrum Aurich“, rechnet der DGB Südbrookmerland vor.

Die Gewerkschaftler wundern sich darüber, dass sich noch kein Schulleiter oder Lehrer aus Moordorf zum „Entertainment-Center“ geäußert hat. „Das liegt vermutlich daran, dass zurzeit Sommerferien sind“, meint der OV.

Auch Stefan Kleinert, ebenfalls Lehrer und Schulleiter, befürworte als Ortsvorsteher Moordorfs offensichtlich die Einrichtung eines „Entertainment-Centers“ in dem Gebäude an der Ekelser Straße/Marktstraße, so der DGB: „Wie sonst ist es zu erklären, dass die SPD-Fraktion, deren Vorsitzender er ist, die Planungen zu den Spielhallen in der jüngsten Sitzung des Bauausschusses durchgewunken hat?“

Überdies sei bei der bisherigen Diskussion um das „Entertainment-Center“ außer Acht gelassen worden, dass im ersten Stock eine private Nachhilfeschule („Schülerforum“) untergebracht sei. „Für sie könnten die künftigen Spielhallen existenzbedrohend sein“, schreibt der DGB: „Welche verantwortungsbewussten Eltern schicken ihre Kinder zur Nachhilfe in eine solch zweifelhafte Gegend?“ Das „Schülerforum“ habe sich bereits kritisch geäußert, heißt es in der Mitteilung der Gewerkschaftler. Möglicherweise ziehe die Nachhilfeschule sogar rechtliche Schritte in Erwägung.

Wie verschiedenen Leserbriefen in den ON zu entnehmen gewesen sei, wäre ein „Entertainment-Center“ für den Ruf des Marktplatzes Moordorf als Einkaufszentrum nicht förderlich. Überdies würden die vier Spielhallen viele Spielwillige anziehen. „Damit dürften auf Moordorf vermehrt soziale Probleme zukommen“, meint der DGB. Spielsucht habe erhebliche psychosoziale Folgen: „Dazu gehören Verarmung und Verschuldung, Zerrüttung, Konzentrations- und Leistungsmängel, Arbeitslosigkeit bis hin zur Beschaffungskriminalität.“

Kritik äußert der DGB Südbrookmerland auch an Bürgermeister Friedrich Süssen. Es stärke nicht das Vertrauen in die Verwaltung, wenn er die Planungen zum „Entertainment-Center“ als „Notlösung“ verharmlose.

Wie berichtet, hat der Bauausschuss der Gemeinde Südbrookmerland die Errichtung einer solchen Glücksspieleinrichtung am Moordorfer Marktplatz befürwortet. Hierbei handelt es sich allerdings nur um eine Beschlussempfehlung. Als nächstes Gremium beschäftigt sich der Verwaltungsausschuss (VA) in nicht öffentlicher Sitzung am 12. August mit diesem Thema. Die endgültige Entscheidung trifft der Gemeinderat in öffentlicher Sitzung am 23. September (Beginn ist um 19 Uhr im Rathaus in Victorbur).

Die SPD, die in Südbrookmerland über die absolute Mehrheit verfügt, hat am Montag angekündigt, nach den heftigen Protesten ihre bisherige Haltung für ein „Entertainment-Center“ kritisch überprüfen zu wollen.
Ostfriesische Nachrichten
Online-Ausgabe vom 26.07.2010;  22:00:00 Uhr

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